Trans|Wissen

Übersetzung von Wissen in transnationalen Kontexten
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Vergangene Workshops

3. Arbeitstreffen DFG-Netzwerk "TransWissen"

19.-20.11.2015 an der Ruhr-Universität Bochum:
"Räume der Wissensproduktion: Genese alltäglichen, historischen und literarischen Wissens im transnationalen Kontext"

Organisation: Dr. Nicolas Engel

Der Workshop in Bochum widmete sich dem Thema „Räume der Wissensproduktion“. Im Zentrum der zweitägigen Diskussion stand die Frage, wie Prozesse der transnationalen Wissensproduktion und des Wissenstransfers in einer räumlichen Dimension theoretisch gefasst werden können und empirisch in Erscheinung treten.

RAUM | WISSEN: EMPIRISCH 

ÖFFENTLICHE GASTVORTRÄGE 

RAUM | WISSEN: THEORETISCH 

PROGRAMM  

RAUM | WISSEN: EMPIRISCH

Ausgehend von Befunden aus unterschiedlichen Teilprojekten fokussierte die Diskussion am ersten Tag das Verhältnis von Raum und Wissen aus empirischer Perspektive.

Aus der Literaturwissenschaft (Anne Kraume):

  • Anhand eines Auszugs aus einer von der spanischen Inquisition erstellten Inventarliste zu Publikationen des Dominikanermönchs Fray Servando (1765-1824) und der (Reise-)Geschichte des Mönchs wird das Verhältnis von Wissen, Raum und Macht thematisiert. Im Zentrum stand hier die Frage nach Bedingungen und Formen der räumlichen Verbreitung und Indizierung transnationalen Wissens verhandelt.

Aus der Soziologie und Migrationsforschung (Anna Spiegel):

  • Anhand von Interviewausschnitten mit kosmopolitischen Managern (sog. „mobile Eliten“) werden verschiedene space and place-making Praktiken zu fassen versucht. Die zentrale Frage wurde diskutiert: wie verorten sich mobile Führungskräfte in ihrer Lebens- und Arbeitswelt in (trans-)nationalen räumlichen Arrangements und wie gehen sie mit hierdurch entstehenden Differenzen um?

Aus der Pädagogik (Nicolas Engel):

  • Anhand eines Imagefilms einer Berufsschule für Geflüchtete wird die Idee eines angehenden Forschungsprojekts - sog. Migrationsschulen als Orte und Akteure transnationaler Wissensproduktion – debattiert. Migrationsschulen erscheinen als hergestellte und notwendig herzustellende Raume (der Sicherheit, der Integration etc.).

ÖFFENTLICHE GASTVORTRÄGE

Die externen Gastvorträge von Monika Schmitz-Emans (Ruhr Universität Bochum) und Ralf Klausnitzer (Humboldt Universität Berlin) widmeten sich dem Verhältnis von Raum und Wissenstransfer aus Perspektive der Literaturwissenschaft und der Wissenschaftsforschung.

Schmitz-Emans sprach über „Kulturvergleich und Kulturtransfer in Romanen über Maler und Kalligraphen: Orhan Pamuk, Rafik Shami und Tilman Spengler“. In den Romanen wird transnationaler Wissenstransfer auf zwei Ebenen vorgenommen: Einerseits treten die Romanfiguren in neue Wissensräume ein, andererseits wird der/die Leser_in (durch die Romanfiguren) in neue Wissensräume eingeführt. Dadurch werden Wissensräume ausgelotet und im Wissenstransfer kleine Akte der Hybridisierung vollzogen.

Ralf Klausnitzer referierte zum Thema „Räume und Wege des Wissens und ihre Rekonstruktion. Epistemische Transfers als Gegenstand einer praxeologischen Wissenschaftsforschung“. Im Zentrum steht dabei, dass die Produktion, Ordnung und Übermittlung von Wissen in Wissensräumen separiert und privilegiert, regelgeleitet und diszipliniert vonstattengeht und an personale Träger gebunden ist. Die institutionelle Gebundenheit von Wissenstransfers und deren Asymmetrie systematisiert diesen Vorgang und macht damit Innovation möglich.

RAUM | WISSEN: THEORETISCH

Der zweite Tage widmete sich der theoretischen Betrachtung von Raum und Wissen anhand der Kategorien Akteur, Praxis, soziale Bedingungen und Übersetzung bzw. Verbreitung. Die zentrale Leitfrage war hierbei die nach der Wechselseitigkeit von Akteur und Raum im Hinblick auf die Verbreitung oder Übersetzung von Wissen.

In Kleingruppen wurden anschließend verschiedenen Aspekten dieser Fragestellungen nachgegangen:

  • Intentionalität  von Prozessen des Wissenstransfer (Sichtbarkeit von Positionen)
  • Symmetrien und Asymmetrien von Prozessen des Wissenstransfer (Gestaltbarkeit und Macht)
  • Akzeptanz und Geltung von Wissen
  • Wissen im Spannungsfeld von Räumlichkeit und Lokalität   
  • Verbreitung von Wissen als (machtvoller) Modus der Übersetzung und Inanspruchnahme von Räumen.

2. Arbeitstreffen DFG-Netzwerk "TransWissen"

07.-08.05.2015 an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz:
"Transnationale Perspektiven auf Wissen und Übersetzung"

Organisation: Dipl. Päd. Annemarie Duscha und Dr. Kathrin Klein-Zimmer 

Donnerstag, 7.05.2015 
Ort: Johannes Gutenberg Universität

Donnerstag, 7. Mai 2015, Ort: Dekanatssaal FB02, GFG-Gebäude

12.00/12.30gemeinsames Mittagessen der schon Angereisten (optional)
Location: Baron/Uni-Campus
14.00Begrüßung, Überblick, Aktuelles/Organisatorisches
14.15TransNation:
Arbeit in Kleingruppen: Entwicklung einer Idee von TRANS in Bezug auf die vorgestellten Nationenkonzepte
Plenumsdiskussion/Wrap-Up zu TransNation
15.00Teepause
15.30TransNation:
Arbeit in Kleingruppen: Entwicklung einer Idee von TRANS in Bezug auf die vorgestellten Nationenkonzepte
Plenumsdiskussion/Wrap-Up zu TransNation
17.30Kaffeepause
18.00öffentlicher Vortrag
Boris Nieswand: Grenzeffekte
Location: 01-731, GFG-Gebäude
20.00Gemeinsames Abendessen

Freitag, 08.05.2015
Ort: Johannes Gutenberg Universität

Freitag, 8. Mai 2015, Ort: Dekanatssaal FB02, GFG-
Gebäude

9.00Transnationaler Wissenstransfer
  • Methodische Zugänge
  • Methodologische Implikationen
Gruppenarbeit mit empirischem Material
12.00Plenum/ Zusammentragen von Gedanken/Ideen/Erkenntnissen
12.30Mittagessen
13.30Weiterdenken
  • inhaltliche Anknüpfungspunkte für mögliche Arbeitsgruppen
  • Rückblick: Diskussionen des letzten Workshops, Integration in neue Diskussionen?
Aspekte sammeln für den nächsten Workshop
14.30Organisatorisches:
  • Homepage
Planung weiterer Workshops
15.00Abschluss

 

 

Folgende Zugänge wurden in der Diskussion zu TransNation diskutiert:

Nation aus politik- und sozialwissenschaftlicher Perspektive: 

  • Thematisierung von Nation aus drei Perspektiven:
    1) Nation-Nationalstaat-Nationale Identität,
    2) Zugehörigkeit zum Nationalstaat,
    3) Politische Institution des Nationalstaats. 
  • Unterscheidung zweier Theoriezugänge: Primordialisten vs. Modernisten
    Ist die Nation eine Erfindung der Moderne?
  • Diskussion über das Potenzial einer postkonstruktivistischen Theorie des Nationalen

Nation aus literaturwissenschaftlicher Perspektive: 

  • Literaturtheoretisch werden Nationen als Erzählungen verstanden.
  • Das Paradigma „Nation“ weist auf drei Ebenen hin: die Ebene der Produktion, die Textebene, und die Rezeptionsebene. Auf der letzten Ebene ist die Thematisierung von Transnationalisierung von zentraler Bedeutung.

Nation aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive: 

  • Nur wenige Erziehungswissenschaftler_innen haben sich ausführlich mit dem Thema Nation auseinander gesetzt. 
  • Thomas Popkewitz bildet eine Ausnahme und untersucht die Schule als das Feld kultureller Praktiken, in dem im Namen der Demokratie das kosmopolitische, problem-lösende Kind erschaffen wird. 
  • Kosmopolitische Rationalität und nationale Imaginationen sind nicht als Widerspruch zu verstehen, sondern stabilisieren sich gegenseitig: Die Schule lokalisierte Individualität in der nationalen Imaginationen, die dann im globalen Kontext als kooperative Individualität gefasst wird. 

Der öffentliche Vortrag von Boris Nieswand mit dem Titel „Grenzeffekte“ öffnete die Diskussion über das Thema TransNation gegenüber neueren Forschungen zu Grenzregimen und zu Mobility Studies. Eine Analyse der Grenze als Dispositiv erscheint daher für ein reflektiertes Verständnis von Transnationalität als unhintergehbar. 

Am zweiten Tag wurde empirisch an drei Forschungsprojekten zum Thema TransNation gearbeitet. Es ging hier um die unterschiedlichen Formen der Herstellung von TransNation anhand dreier Beispiele:

  • Ein Interview mit einem „Expatriate Manager“ 
  • Plakate zur Erinnerungskultur zum Jahr 1989 in der Tschechischen Republik 
  • Ein Beitrag einer deutsch-jüdischen Emigrantin, die in einer in Deutschland publizierten Zeitschrift über den Aufbau Sozialer Arbeit berichtet

Auf dieser empirischen Basis wurden weitere Facetten des „Trans“ im Hinblick auf das Nationale deutlich. Eine zentrale Herausforderung scheint zu sein, dass das Nationale in so unterschiedlichen Phänomenen auftaucht, dass auch das TransNationale letztlich diffus bleiben muss. So unbefriedigend es erscheinen mag: Es bleibt wohl nur der Weg für den jeweiligen Aspekt des Nationalen entsprechende „Trans“-Perspektiven zu entwickeln.


1. Arbeitstreffen DFG-Netzwerk „TransWissen“

27.-28.11.2014 an der Universität Bremen:
"Übersetzung"

Organisation: Dr. Karen Struve und Matthias Zach

Donnerstag, 27. November 2014, Ort: Gästehaus Teerhof der Universität Bremen

12.30Gemeinsames Mittagessen (optional)
14.00Begrüßung, Organisatorisches
14.15Projektvorstellungen der Netzwerkmitglieder mit Blick auf Netzwerkthematiken
15.00Projektvorstellungen 2
15.45Kaffeepause
16.15Projektvorstellungen 3
17.00Projektvorstellungen 4
17.45Abschluss
19.00Gemeinsames Abendessen

Freitag, 28. November 2014, Ort: Kapelle im VWG der Universität Bremen

09.00Begrüßung, Organisatorisches Übersetzungsparadigmen:
Disziplinen, Projekte, Cluster
09.15Soziologie - Positionen
Präsentationen/ Textdiskussionen/ Diskussionsbeiträge
10.30Kaffeepause
11.00Pädagogik/ Erziehungswissenschaft - Positionen
Präsentationen/ Textdiskussionen/ Diskussionsbeiträge
12.00Literaturwissenschaften - Positionen
Präsentationen/ Textdiskussionen/ Diskussionsbeiträge
13.00Mittagspause
14.00Clusterrekonfigurationen
15.00Kaffeepause
15.15Ausblick
Orga für weitere Netzwerkarbeit
15.45 - 16.00Abschluss

Folgende thematische Schwerpunkte und Schnittstellen haben sich in den Diskussionen ergeben:

  • Übersetzung als Transfer, Einbettung, Kontextanpassung:
    Nutzen und Schwierigkeiten des Begriffs "Übersetzung", auch in Abgrenzung zu verwandten Begriffen
  • Übersetzung als Setzung, Machtmittel oder (umgekehrt) als Zeichen von Ohnmacht:
    Fragen von (Ohn-)Macht und der ideologischen Dimension von Übersetzung
  • Strategien, Taktiken, Legitimationsstrategien:
    Interessengeleitetes Labeln bestimmter Phänomene als Übersetzung; Fragen der Positionierung der/des Übersetzenden
  • Forschen als Übersetzen
  • Spurensuche, Methodik:
    Wie (wo, warum) findet man Übersetzungsphänomene in der Empirie?