Trans|Wissen

Übersetzung von Wissen in transnationalen Kontexten
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Projekte


Kristina Chmelar: "Sozialismus ausstellen. Zur Inszenierung staatlich organisierter Erinnerung in Deutschland und Tschechien"

Die kulturwissenschaftlich informierte, synchron und diachron vergleichende Studie untersucht den staatlich organisierten Umgang mit dem Sozialismus in Deutschland und Tschechien. Den Ausgangspunkt der Arbeit bildet die Annahme, dass die Umbruchserfahrung im Zuge der Wenden von 1989/90 eine breite destabilisierende Wirkung auf das Soziale in Zentraleuropa hatte. Vor allem zu Zwecken dessen Reorganisierung bearbeiten seither diverse geschichtspolitische Eliten in vielfältiger Art und Weise den sogenannten Sozialismus. Im Fokus des Dissertationsprojekts stehen zwei staatliche Organisationen, deren gesetzlich geregelter Auftrag es ist, dessen ‚Aufarbeitung’ bzw. ‚Bewältigung’ anzuleiten: die deutsche Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und das tschechische Institut für das Studium totalitärer Regime. Mitarbeiter*innen dieser Organisationen versuchen, spezifische Bilder und Deutungen des Sozialismus in kollektive Erinnerung zu überführen.

Von herausragender Bedeutung für ihre Arbeit sind dabei (halb-)runde Jahrestage der Ereignisse von 1989. Zum 20. und zum 25. Jahrestag präsentierten die beiden Organisationen der Öffentlichkeit jeweils eigens zu diesem Anlass erstellte Ausstellungen, in deren Rahmen die Sozialismuserfahrung vor allem mittels Fotografie und Sprache verarbeitet wurde. Eine post-konstruktivistische Dispositivanalytik im Anschluss an Michel Foucault dient dazu, jene vier Ausstellungen im engeren Kontext ihrer praktischen Erstellung und Inszenierung von Erinnerung sowie im weiteren Kontext primär national geprägter (Erinnerungs-)Kulturen systematisch und in dekonstruktiver Tradition aufzuschließen. Für das kulturübergreifend vergleichende Erkenntnisinteresse leitend ist dabei auch die Frage danach, an welchen Stellen es zu Divergenz, an welchen zu Konvergenz kommt – nicht zuletzt mit Blick auf das Phänomen der sogenannten Transnationalisierung von Erinnerung.


Annemarie Duscha & Kathrin Klein-Zimmer:"Erzieherinnen ‚on the move‘: Zur Übersetzung und Nicht-Übersetzung von Wissen im Zuge der Arbeitsmigration von pädagogischen Fachkräften."

Das Forschungsprojekt untersucht Transformationsprozesse in der pädagogischen Praxis, die im Zuge der Arbeitsmigration von pädagogischen Fachkräften zu beobachten sind. Am Beispiel der biographischen Erzählungen von Erzieher_innen, die beruflich bedingt nach Deutschland einwandern und in einer Bildungsinstitution als Professionelle tätig sind, wird nach Übersetzungslogiken und -praktiken gefragt, die das berufliche Setting und ihr berufliches Selbstverständnis bestimmen.

Es wird untersucht, wie das (durch Bildungsabschlüsse legitimierte) Fachwissen der pädagogischen Fachkräfte und die von ihnen entwickelte Handlungskompetenz durch die Überschreitung nationalstaatlicher Grenzen, aber auch national-sprachlicher, national-kultureller, national-institutioneller/organisationeller Grenzen übertragen, d.h. vermittelt und verändert wird.

Damit einher geht gleichzeitig die Frage, welche Auswirkungen die Übersetzungsprozesse auf das berufliche Selbstverständnis der Erzieher_innen haben. 

Mit beruflichem Selbstverständnis ist hier das theoretische, praktische, methodische und konzeptionelle pädagogische Wissen der Erzieher_innen angesprochen, das durch die Migration und die mit der Berufspraxis in Deutschland einhergehenden neue Relationierung von Fremdem und Vertrauten womöglich eine Transformation erfährt.

Während in der öffentlichen Auseinandersetzung vor allem die Fremdsprachigkeit der angeworbenen Arbeitskräfte in den Blick gerät, fragt das Forschungsvorhaben – eine wissenstheoretische Perspektive einnehmend – insgesamt nach den Erfahrungen und Deutungen der ArbeitsmigrantInnen in pädagogisch-professionellen Settings.


Nicolas Engel: "Organisationen als Akteure und Orte transnationaler Wissensproduktion.“

In einer übersetzungstheoretisch informierten Analyseeinstellung interessieren Organisationen zum einen als informelle Orte der Produktion eines flüchtigen Wissens der Grenzüberschreitung, zum anderen als Akteure, die mittels ihrer eigenen Praxis transnationales Wissen, transnationale Arbeits- und Kooperationsweisen hervorbringen. Entsprechend dieser doppelten Perspektive fokussiert das Teilprojekt auf Prozesse der (Re-)Produktion, Vermittlung und Aneignung eines aus der Konfrontation mit diversen nationalen und kulturellen Grenze und Grenzüberschreitungen resultierenden transnationalen Wissens sowie auf die Bedingungen und Medien seiner Genese. 

Gefragt wird, wie transnationales Wissen in organisationalen Kontexten wird bzw. geworden ist und welche organisationalen Akteure (z.B. Communities of Practice) an der Hervorbringung des Wissens beteiligt sind?

So werden Organisationen als Lernwelten in den Blick genommen: Produktions- und Aneignungsformen transnationalen Wissens sollen konkret an sogenannte Migrationsschulen sowie an grenzüberschreitenden Orten der Erinnerungsarbeit untersucht werden.


Matthias Klemm: "Sozialität zwischen sprachlicher Kommunikation und performativer Praxis (Habilitationsthema)."

Gegenstand der Untersuchung ist das Verhältnis zwischen expliziter sprachlicher Kommunikation und praktischen Miteinanderhandelns im Hinblick auf die Möglichkeiten ziviler Formen sozialer Verständigung. Eine besondere Bedeutung bekommt dabei das Verhältnis zwischen impliziten und expliziten Wissensbeständen und der Übersetzung zwischen diesen.


Stefan Köngeter: "Die transnationale Übersetzung von sozialpädagogischer Professionalität zwischen Berlin und Jerusalem"

Die Entstehung der Sozialen Arbeit am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts stellte ein transnationales Projekt dar, an dem zahlreiche Protagonisten aus verschiedenen Ländern dies– und jenseits des Atlantiks beteiligt waren.

Die auf beiden Seiten des Atlantiks empfundene Brisanz der sozialen Frage erzeugte einen Sog für neue Ideen, Theorien und Modelle für die Bearbeitung der gesellschaftlichen Spaltungstendenzen, die sich im Zuge der Industrialisierung und Urbanisierung der westlichen Hemisphäre neu konfigurierten. Nicht nur ist die Soziale Arbeit als sich neu formierende Profession Ergebnis dieser historischen Entwicklung; ihre Protagonisten sind auch zentrale Akteure in dieser transnationalen Wissensproduktion.

Ganz ähnliche Prozesse lassen sich auch anhand der Entwicklung der Sozialen Arbeit in Palästina aufzeigen. Seit den 1920er Jahren, vor allem aber seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten, kamen viele jüdische Sozialarbeiter_innen und -pädagog_innen nach Palästina und prägten die Entstehung der Sozialen Arbeit.

In dieser Studie geht es darum, die Übersetzungsprozesse zu untersuchen, die beim Transfer der in Deutschland entwickelten Ideen, Theorien und Modelle der Sozialen Arbeit in das damalige Palästina stattgefunden haben. Dabei wird ein Schwerpunkt auf die Biographien und die Ausbildung der in Berlin an der Alice-Salomon-Schule ausgebildeten Sozialarbeiterinnen gelegt, die bereits 1931 Modelle der Sozialen Arbeit in Palästina evaluiert haben, und im Laufe ihrer Karriere maßgeblich die dortige Soziale Arbeit geprägt haben. 


Anne Kraume: Fray Servando Teresa de Mier: "Eine Revision transatlantischer Diskurse zwischen Kolonie und Unabhängigkeit"

Das Forschungsvorhaben fragt nach der komplexen Rolle der Literatur zwischen Europa und Lateinamerika an der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert. Am Beispiel des mexikanischen Autors fray Servando Teresa de Mier analysiert das Projekt die kulturellen Transferbeziehungen zwischen Europa und Lateinamerika. Es geht dabei nicht, wie bisher häufig geschehen, von einer (kulturellen) Hierarchie zwischen einem europäischen Zentrum und einer lateinamerikanischen Peripherie aus.

Vielmehr soll gezeigt werden, dass Texte wie diejenigen von fray Servando mittels spezifisch literarischer Vorgehensweise solche Hierarchien gerade unterlaufen, indem sie sich zu den unterschiedlichsten Themen, Personen, Fragen, Perspektiven, Orten, Räumen und Zeiten in Beziehung zu setzen und dabei nicht nur geographische, sondern ebenso häufig auch diskursive Grenzen zu überschreiten. Auf diese Weise soll ein Verständnis von Literatur entwickelt werden, das Geschichte ebenso wie den Raum, in dem diese sich abspielt, insbesondere in ihrer Relationalität und Dynamik konzipiert.

Im Rahmen des Netzwerkprojekts sind Fragen nach den Möglichkeiten und Funktionsweisen des Wissenstransfers zwischen Europa und Lateinamerika von Interesse: Hatte die europäische Aufklärung im Verlauf des 18. Jahrhunderts (Latein-) Amerika vor allem als das „Andere“ der europäisch-aufklärerischen Vernunft entworfen, so wird diese vermeintlich klare Trennung in den Texten der lateinamerikanischen Intellektuellen an der Schwelle zum 19. Jahrhundert dadurch unterlaufen, dass bei ihnen die Übersetzung von Wissen in Literatur in einer Art und Weise geschieht, die auf Interdependenz und Zirkulation statt auf unidirektionale Abhängigkeiten setzt.

Auf diese Weise kann zu einem Zeitpunkt, zu dem sich der politische Raum zwischen Europa und Lateinamerika neu ordnet, auch der literarische Raum neu vermessen und abgesteckt werden – nicht umsonst zeichnen sich die „Gründungstexte“ der lateinamerikanischen Literatur deshalb insbesondere durch ihre Hybridität aus.


Christina May: "Die Produktion von Wohlfahrtswissen 1870-1920"

Das Projekt beschäftigt sich mit dem transnationalen Austausch von  sozialpolitischem Wissen zwischen 1870 und 1920. Die Entstehung moderner Wohlfahrtsstaaten ist eng verbunden mit der Ausbreitung der „Wissensgesellschaft“: Bereits im 19. Jahrhundert begann die  Durchdringung aller Lebensbereiche durch wissenschaftliches Wissen; Wissen wurde damit zur zentralen Triebkraft sozialen Wandels (Raphael 1996: 179, Rudloff 2004: 47).
Auch die Entdeckung und Definition der „Sozialen Frage“ oblag wissenschaftlich ausgebildeten Experten und Akademikern: den Juristen und Medizinern in staatlichen Bürokratien auf der einen und den sich aus den verschiedensten Sozialwissenschaften rekrutierenden Sozialreformern auf der anderen Seite. Hieraus ergab sich eine Vielzahl zum Teil widerstreitender Deutungsangebote.  

Das Projekt fragt daraus folgend zunächst nach den Entstehungsbedingungen von sozialpolitischem Wissen oder Wohlfahrtswissen, nach den Bedingungen, unter denen sich Wissen über sozialpolitische Zustände ändert,  und schließlich nach den Erfolgsbedingungen der Deutungsangebote, die sich im öffentlichen Diskurs und im agenda-setting für sozialpolitische Gesetze durchsetzten. Dabei müssen auch benachbarte Prozesse wie Professionalisierung und Bürokratisierung in den Blick genommen werden, die die Produktion von Wohlfahrtswissen und das Standing der beteiligten Akteure in den zeitgenössischen Debatten maßgeblich mitbestimmt haben. Obwohl der Nationalstaat im 19. Jahrhundert der zentrale Fokus sozialwissenschaftlicher Gesetzgebung war, hat es vielfältige zwischenstaatliche Austauschprozesse über dieses Phänomen gegeben. 

Besonders die „Soziale Frage“, die in allen industrialisierten Ländern Gesellschaften mit ähnlichen Problemen konfrontierte, führte Wissenschaftler und Sozialreformer dazu, sich mit den Problemlösungsstrategien anderer Länder zu beschäftigen, wie historische Studien wiederholt gezeigt haben (vgl. etwa  Brückweh et al. 2012, Gräser 2009, Hennock 1987, 2007, Kloppenberg 1986, Ritter 2008, Rodgers 1998, Schäfer 2000). Solche transnationalen Austauschprozesse über Sozialpolitik sind in den bisherigen Studien zur Entstehung von Wohlfahrtsstaaten gar nicht oder nur marginal verhandelt worden (vgl. Schmitt/Obinger 2012:7).

Auf der anderen Seiten nehmen sozialwissenschaftliche Studien die grenzüberschreitende Verdichtung von sozialen Interaktionen, die gemeinhin als „Denationalisierung“ (Sassen2003, Zürn 1998) oder „Transnationalisierung“ (Mau 2007, 2010) bezeichnet werden, vor allen Dingen seit den letzten 30 Jahren wahr. Indem das Projekt diese transnationalen Austauschprozesse von wissenschaftlichem Wissen über Sozialpolitik aufnimmt, können Einflüsse auf die Sozialpolitik jenseits nationaler Pfadabhängigkeiten untersucht werden.Gleichzeitig wird eine historisch-soziologische Perspektive auf die Genese transnationaler Austauschprozesse im Bereich der Sozialpolitik angestrebt. Hierbei soll vor allen Dingen dem spezifischen Spannungsverhältnis von Nationalisierung auf der einen und transnationalem Wissensaustausch auf der anderen Seite Rechnung getragen werden.


Miriam Schader: "Konstruktion sozialer und kultureller Grenzen in „neuen“ und „alten“ Einwanderungsstädten"

Ziel des Projekts ist es, die Konstruktion und Absicherung sozialer, insbesondere religiöser, Grenzziehungen in „neuen“ und „alten“ Einwanderungsstädten zu untersuchen. Ausgangspunkt ist dabei die Beobachtung, dass migrationsbedingte kulturelle und insbesondere religiöse Pluralität regelmäßig als Herausforderung oder Problem thematisiert wird, in sozialwissenschaftlichen Debatten ebenso wie in politischen Auseinandersetzungen und in den Medien. Aus einer wissenssoziologischen Perspektive kann jedoch argumentiert werden, dass Pluralität das Vorhandensein verschiedener Elemente einer Oberkategorie voraussetzt, dass aber „Kultur“ oder „Religion“ wie alle sozialen Kategorien nicht selbstverständlich sind und nicht als Kategorien „an sich“ existieren. Vielmehr bedarf es eines impliziten und explizierbaren Wissens über die (konstruierte) Zugehörigkeit unterschiedlicher Elemente zu einer bestimmten, durch diese Zugehörigkeit der Elemente bestehenden Kategorie.

Von diesen Überlegungen ausgehend stellt das Projekt zunächst die Frage, wie kulturelle und insbesondere religiöse Pluralität – und damit das zugrundeliegende Wissen – im Kontext transnationaler Migration diskursiv konstruiert wird. Daran anschließend geht es um den Umgang einzelner Akteure mit dieser wahrgenommen Pluralität, um Strategien der Grenzziehung, -absicherung und -verschiebung.

Da die Stadt als Brennglas von Migrations- und Transnationalisierungsprozessen verstanden werden kann (vgl. u.a. Morales & Giugni, 2011; Vertovec, 1998), liegt der Fokus der Analyse auf der lokalen Ebene. Des Weiteren wird davon ausgegangen, dass in „neuen“ und „alten“ Einwanderungsorten verschieden auf Transnationalisierung reagiert wird und daher ein solcher Vergleich besonders fruchtbar ist. 


Anna Spiegel: "Expatriate Manager: Eine neue kosmopolitische Elite? Habitus, Alltagspraktiken und Netzwerke“

In diesem Projekt wird ein für Übersetzungsprozesse in transnationalen Unternehmen in höchstem Maße relevanter Akteurstyp untersucht: der Expatriate Manager. In der Managementforschung bereits als interkulturell kompetenter „Globalmanager“ gefeiert (Kanter, 1995), fragt das Projekt an der Schnittstelle von Migrations- und Arbeitssoziologe einerseits nach den habituellen Voraussetzungen, die es den entsendeten Managern ermöglichen, als „Boundary Spanners“ (Au & Fukuda 2002) am Interface zwischen verschiedenen Wissensbeständen und epistemischen Kulturen (Knorr Cetina 1999) zu agieren, andererseits nach den habituellen Barrieren, die ein solches Agieren verhindern.

In welche kulturellen und wissensbasierten Grenzziehungsprozesse (Othering) sind Expatriate Manager in ihrem Arbeitsalltag eingebunden? Welche Fremdheitserfahrungen machen Expatriate Manager sowohl im beruflichen als auch im außerberuflichen Alltag? Welche Modi des „meaning management“ (Hannerz, 1996) und der Übersetzung entwickeln sie dabei und unter welchen Bedingungen bilden sie einen kosmopolitischen Habitus aus? In dem Projekt werden mit einem ethnographischen Instrumentarium Prozesse der Strukturierung des Alltags und der (Re-)Formierung des Habitus von Expatriate Managern im Auslandseinsatz vertiefend untersucht. 


Karen Struve: "Barbaren im Archiv. Konstruktionen des kolonialen Anderen in der Encyclopédie von Diderot und d’Alembert.

Das Forschungsprojekt untersucht Formen und Formationen des literarisierten Wissens über den kolonialen Anderen in der Encyclopédie von Diderot und d’Alembert und siedelt sich innerhalb der frankophonen Literaturwissenschaft am Kreuzungspunkt von postkolonialer Diskursanalyse und Wissenspoetologie an. Im Zusammenhang mit dem Netzwerk sind Fragen nach den Funktionen und poetischen Verfahren der (machtvollen) Wissensproduktion und des Wissenstransfers zwischen dem Frankreich der Aufklärung und der kolonialen Welt von Interesse.

Zentrale Prämissen sind dabei:
1. Wissenstransfer wird nicht als unidirektional begriffen (Europa exportiert seine aufklärerischen Ideen und Werte nach Übersee und importiert das Wissen über die koloniale Welt als Wissenszuwachs), sondern als eine zirkulierende und interdependente Wissenstransferbeziehung analysiert. 

2. Wissenstransfer als (postkolonial gefasste) Übersetzung begriffen öffnet den Blick einerseits für die wechselseitige Affizierung des philosophe und des „Wilden“: Der Wilde ist weder auf die Funktion der antithetischen Kontrastfolie reduzierbar wie der Aufklärer als Herr über Wissen (auch über sich selbst) und Text  zu stilisieren. Andererseits stellen die Figuren und Figurationen dieses unheimlichen, unbeschreibbaren, gleichermaßen faszinierenden und erschreckenden Anderen die Trennung zwischen „raison“ und „imagination“, zwischen Wissen und Literatur, empfindlich in Frage.


Matthias Zach: "Transnationale Auto(r)fiktionen"

Das literaturwissenschaftliche Projekt untersucht autobiographische und autofiktionale Texte transnationaler Autoren wie J. M. Coetzee, Régine Robin oder W.G. Sebald. Diese Texte sind in zweierlei Hinsicht für den Forschungsgegenstand des Netzwerks relevant: zum einen geht es um die Frage, ob und wie hier die Rolle transnationalen Wissens thematisiert und wie mit in Konflikt geratenden Wissensbeständen und Erinnerungen umgegangen wird.

Zum anderen wird ausgehend von der Gegenüberstellung und Vermittlung translations- und kulturwissenschaftlicher Ansätze untersucht, inwiefern der Begriff der Übersetzung sich sinnvoll für die Beschreibung und Analyse autobiographischen Schreibens und der darin angewandten Inszenierungspraktiken transnationaler Selbstverortung und Autorschaft verwenden lässt.